Gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung

Per Gesetz wurde die gesetzliche Krankenversicherung der Arbeiter am 15. Juni 1883 als erste Leistung aus dem Bereich der Sozialversicherungen durch Otto von Bismarck als Teil des deutschen sozialversicherungsrechtlichen Solidarsystems eingeführt. Heute wird die Krankenversicherung grundsätzlich von zwei unterschiedlichen Systemen getragen: der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV).

Nach aktuellen Statistiken sind in etwa 90% der Bevölkerung, also rund 70 Millionen Bürgerinnen und Bürger heute in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert und damit umfassend geschützt sowie medizinisch sehr gut versorgt.

In Deutschland herrscht die sogenannte VERSICHERUNGSPFLICHT

Bei einer schweren Erkrankung können sich die Behandlungskosten sehr schnell in die Höhe schrauben, die das Einkommen und das Vermögen der Betroffenen schnell weit übersteigen. In einem modernen Sozialstaat darf es jedoch nicht dazu kommen, dass eine Bürgerin oder ein Bürger im Krankheitsfall ohne Schutz der Situation ausgeliefert ist. Niemand in der Bevölkerung darf und soll aufgrund einer Erkrankung verarmen oder allgemeine Steuermittel in Anspruch nehmen müssen. Wer keine anderweitige Absicherung genießt (freiwillige private Krankenversicherung), ist deshalb in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig, wenn er zuletzt gesetzlich krankenversichert war oder aufgrund der Einkommensverhältnisse der gesetzlichen Krankenversicherung zuzuordnen ist.

Jeder Arbeitnehmer, dessen monatliches Bruttoeinkommen unter der Versicherungspflichtgrenze (Jahresarbeitsentgeltgrenze) und über der Geringfügigkeitsgrenze (im Jahr 2018: 450 Euro/Monat) liegt, gelten grundsätzlich als Pflichtmitglieder in der GKV. Das bedeutet, sie können nicht zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung sind zugleich in der sozialen Pflegeversicherung versichert.

Des Weiteren arbeitet die GKV nach dem SOLIDARPRINZIP

Die Beiträge richten sich stets nach der individuellen finanziellen Leistungsfähigkeit – maßgeblich hierfür ist das sozialversicherungspflichtige Einkommen – eines jeden Versicherten. Die Beiträge fließen in einen gemeinsamen Gesundheitsfonds aller gesetzlicher Krankenkassen und werden nach einem speziellen Leistungsschlüssel verteilt. Allerdings ist die Höhe der gezahlten Beiträge irrelevant, denn es erhalten alle Versicherten die Beiträge einzahlen immer die gleichen, medizinisch notwendigen Leistungen.

VERSICHERUNGSFREIHEIT genießen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Lohn oder Gehalt (Arbeitsentgelt) einen bestimmten Betrag überschreitet

Dieser Betrag wird Versicherungspflichtgrenze oder Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) genannt.

Die allgemeine Versicherungspflichtgrenze lag im Jahr 2019 bei einem Jahresgehalt (Bruttobetrag) von 60.750 Euro jährlich beziehungsweise bei 5.062,50 Euro monatlich.

Beschäftigte, die bei einem Gehalt jenseits der Versicherungspflichtgrenze somit nicht mehr versicherungspflichtig sind, haben jederzeit die Möglichkeit, als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse zu verbleiben oder in eine private Krankenversicherung zu wechseln.

Tritt dies ein, informiert in der Regel die Krankenkasse ihr Mitglied über das Ende der Versicherungspflicht und die Wahlmöglichkeit zwischen freiwilliger Versicherung in der gesetzlichen oder in der privaten Krankenversicherung. Das jeweilige Mitglied kann dann innerhalb von 2 Wochen nach der Information durch die Krankenkasse die Kündigung und somit den Austritt erklären und sofort in die private Krankenversicherung wechseln. Wird die Frist nicht eingehalten, wird die Mitgliedschaft bei der gesetzlichen Krankenkasse als freiwillige Mitgliedschaft fortgeführt.

Wichtige Infos zur gesetzlichen Krankenversicherung

Beitragssatz

Seit dem 1. Januar 2015 gilt für die gesetzliche Krankenkassen der einheitliche allgemeiner Beitragssatz von 14,6 Prozent. Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil belaufen sich auf jeweils 7,3 Prozent.

Krankenkassen, die mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds ihren Finanzbedarf nicht decken können, können darüber hinaus einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern erheben.

GKV Kündigung

Die Kündigungsfrist beträgt 2 Monate zum Monatsende. Ihre alte Krankenkasse sollte Ihnen innerhalb von 14 Tagen die Kündigungsbestätigung zusenden. Die Kündigungsfrist von 2 Monaten zum Monatsende, gilt jedoch nur dann, wenn Sie bei Ihrer aktuellen Krankenkasse bereits 18 Monate oder länger versichert sind. Die Frist von 18 Monaten gilt allerdings nicht, wenn Sie die Voraussetzungen der Familienversicherung erfüllen, oder sich privat versichern wollen.

GKV Wechsel

Schritt 1: Passende neue Krankenversicherung finden. 

Schritt 2: Alte Krankenkasse kündigen. Siehe unter Punkt „GKV Kündigung“

Schritt 3: Stellen Sie einen Beitrittsantrag bei Ihrer neuen Krankenkasse. Die Angaben eines Beitrittstermins sowie die Angaben des Namens der Vorversicherung sind Voraussetzung für die Bearbeitung Ihres Antrags.

Sonderkündigung

Wenn Ihre aktuelle Krankenkasse teurer wird, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Versicherungspflicht

In Deutschland hat jeder die Pflicht, einer Krankenversicherung beizutreten.

Zusatzleistungen

Die gesetzlichen Krankenkassen können Ihren Versicherten mehr Leistungen anbieten als Sie müssen. Welche zusätzlichen Leistungen die Krankenkassen mit in Ihre Satzung nehmen, entscheiden diese selbst. Die Pflichtleistungen der Krankenkassen sind einheitlich geregelt.